Tipps & Tricks

Aktualisierte Fassung mit weiteren wertvollen Hinweisen!

Nachtfotografie: Wir unterscheiden Available-Light- und Nachtfotografie. Im Gegensatz zur Available-Light-Fotografie (zu dt. verfügbares, vorhandenes Licht) sind wir bei Nachtaufnahmen auf bestimmte Tageszeiten beschränkt: Die Dämmerung am Morgen, am Abend und die Nacht. In der Available-Light-Fotografie wird überwiegend auf ein Stativ verzichtet, stattdessen werden besonders lichtstarke Objektive und digitale Kameras mit hoher ISO-Empfindlichkeit eingesetzt.

Wir widmen uns ausschließlich der Nachtfotografie und ihren Tücken:

Ausrüstung

  • Kamera
  • Stabiles Stativ
  • Kabel-, Funkfernauslöser, wenn nicht verfügbar, den Selbstauslöser der Kamera verwenden
  • Taschenlampe, Kopflampe oder entsprechendes Leuchtmittel, damit man nicht total im Dunkeln steht
  • Wasserwaage für den Blitzschuh oder für das Stativ
  • Glühwein im Winter, Eistee im Sommer und etwas zum Knabbern

Grundsätzliches

Eine sichere Handhabung der Ausrüstung, von der Kamera bis zum Knabberzeug, setze ich voraus.
Um einem Verwackeln vorzubeugen, sollte man die Mittelsäule des Stativs aus Gründen der Stabilität nicht ausziehen.
Ohne Zeitdruck sollte man windgeschützt einen Standort wählen, der auch nicht von externen Lichtquellen wie Scheinwerfern von Fahrzeugen oder vergleichbarem gestört wird.

Motivwahl

Eine gleichmäßige Ausleuchtung des gewählten Bildausschnittes ist vorteilhaft.
Lieber den Aufnahmestandort wechseln, als später mit der aufwendigen Bildbearbeitung viel Zeit damit verbringen, dunkle oder überstrahlte Bildteile abzugleichen.
Wasser, selbst Pfützen ergeben eine ansprechende Lichtspiegelung, die man auch künstlich schaffen kann. Also ziehen wir zur Ausrüstung eine Gießkanne oder eine volle Blase hinzu, deren Verwendung einem selbstverständlich frei steht.
Durch die lange Belichtungszeit werden fließende Gewässer oder Rauch aus Schornsteinen zu einer glatten Fläche mit interessanten Effekten.
Die Motivwahl, die Qual der Wahl. Der investierte Zeitaufwand für eine Aufnahme ist nicht unerheblich, deshalb alle Vorteile, die sich bieten, einbeziehen!

Kameraeinstellung

Der Autofokus und die Automatikprogramme streiken spätestens nach der "Blauen Stunde", und man ist angehalten, manuelle Einstellungen vorzunehmen. Respektive mit der Halbautomatik – Blendenvorwahl zu arbeiten.
Apropos "Blaue Stunde"!
Ein poetischer Begriff. Aber das ist die Zeit der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit, aber auch die Zeit kurz vor Sonnenaufgang. Das tiefblaue Sonnenlicht hat in dieser Zeit etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von Straßenbeleuchtungen oder Gebäuden. Luftmoleküle der Atmosphäre und die von der Sonne angestrahlten Wolken ergeben herrliche Farbtöne in Rot und Orange.
Und glaubt bloß nicht, dass die Blaue Stunde eine Stunde anhält! Das Glück, in diesen wenigen Minuten des Tages von einer Blauen Stunde sprechen zu können, hat man nicht täglich und wenn, hat man seine Kamera oft nicht parat! Und hat man keine Blaue Stunde, so erinnert Euch an unsere Grundausstattung: Glühwein macht in einer Stunde auch sternhagelblau!

Die wichtigsten Tipps zur Kameraeinstellung bei Nachtaufnahmen

  • Die Kamera steht auf einem stabilen Stativ.
  • Wir verwenden entweder den Selbstauslöser der Kamera (2 Sekunden Vorauslösung) oder einen Fernauslöser (Funk- oder Kabel), um die Verwacklungsunschärfe zu vermeiden, die durch das Drücken des Auslösers verursacht wird.
  • Bildstabilisator ausschalten.
  • Autofokus ausschalten.
  • Es ist sinnvoll, die Spiegelvorauslösung bei längerer Belichtungszeit zu aktivieren. (Der Spiegel ist hochgeklappt.) Diese Aufnahmebetriebsart ist sinnvoll, wenn selbst minimale Vibrationen zu einem Verwackeln der Aufnahme führen können, beispielsweise beim Fotografieren mit Tele- oder Makroobjektiven, oder bei unserer Langzeitbelichtung.
  • Wir fotografieren im RAW-Format, Weißabgleich auf Automatik. Vorteil beim RAW-Format, der Weißabgleich lässt sich nachträglich, falls erforderlich, leichter korrigieren.
  • Die ISO-Zahl in höchster Auflösung - in der Regel 100, dabei mindert man das unerwünschte Bildrauschen.
  • Die Belichtungsmessung wird auf Matrixmessung eingestellt. Dabei misst die Kamera Helligkeitsverteilung und Farben innerhalb eines großen Bereiches des Bildfeldes.
  • Belichtungssteuerung auf Manuell (M) oder Zeitautomatik (A). Die Blende wird manuell vorgegeben!
  • Ich empfehle, mit einem mittleren Blendenwert anzufangen. Beispiel: Unser Objektiv hat Blende 2,8 bis 22,0 = Blende 11,0 (mittlerer Blendenwert). Beim höchsten Blendenwert der Kamera spricht man von einer geschlossenen Blende mit der größten Tiefenschärfe. Beim kleinsten Wert der Blendenstufen spricht man von einer geöffneten Blende mit der geringsten Tiefenschärfe.
  • Zum manuellen Scharfstellen wählt man einen geeigneten Punkt, zoomt gegebenenfalls heran, fokussiert, um wieder auf den gewählten Ausschnitt zurückzustellen.
  • Noch zu erwähnen ist, je kleiner die Blende (geschlossen), desto größer fällt der Sterncheneffekt um Lichtquellen aus.
  • Beispiel: Daimler Benz Museum in Stuttgart (Bild rechts) Manuelle Blendeneinstellung 8,0. Daraus resultierte eine Verschlusszeit von 8 Sekunden, ohne zusätzliche Belichtungskorrektur.

In meinem Beispielfoto mit Blende 8 aufgenommen. Der Sterncheneffekt der Laternenlichter wäre bei Blende 11 größer, bei Blende 5,6 geringer.

Bulbfunktion

Die Voreinstellung der Verschlusszeit von analogen sowie digitalen Fotokameras beträgt in der Regel maximal 30 Sekunden. Sollte diese Zeit für unser Foto nicht ausreichen, entweder bei schlechten Lichtverhältnissen oder weil wir mit geschlossener Blende (22 und höher) belichten möchten um mehr Tiefenschärfe zu erreichen, bleibt die Option der Bulb-Funktion. Wenn vorhanden, kann diese Funktion in der Kamera eingestellt werden.
Dabei belichtet die Kamera, solange der Auslöser "gedrückt" bleibt. Um ein Verwackeln zu vermeiden, müssen wir den Selbstauslöser der Kamera oder einen Infrarot-, Kabel- oder Funkauslöser und ein Stativ verwenden. Somit wären Belichtungszeiten von mehreren Minuten möglich.

Wie lange muss ich mit der Bulb-Funktion belichten?

• Als Faustregel kann man die Blendenreihe der Optik (Objektiv) heranziehen.
Jeder Blendenwert höher verdoppelt die Menge Licht durch das Objektiv.
Die Reihe der Blendenzahlen ist genormt und könnte von der geöffneten zur geschlossenen Blende wie folgt aussehen:
2,0 • 2,8 • 4,0 • 5,6 • 8,0 • 11 • 16,0 • 22,0
Wer die Reihe aufmerksam betrachtet, wird erkennen, dass sich die Zahlen im Wechsel verdoppeln bzw. halbieren.
2 zu 4 zu 8 zu 16 (zu 32...),
und 2,8 wird zu 5,6 dann zu 11, 11 zu 22..., Halbe und Drittel-Blendenwerte, wie sie in vielen Digitalkameras zu finden sind, lassen wir außer Betracht.

Beispiel: Angezeigte Kameradaten = ISO 100 • Blende f11,0 • 10 Sekunden Belichtungszeit
Bei Blende f22,0 würde sich die Belichtungszeit mit den einzelnen Blendenstufen, die wir in der Kamera bei Rastern von Blende f11 auf f22 mitzählen können, ca. vervierfachen. = (Blende f11) 10 Sekunden x 4 (Blende f22) = 40 Sekunden Belichtungszeit!

Bildbearbeitung

Je weniger zu bearbeiten ist, umso besser. Ich versuche, möglichst die Lichtstimmung, wie während der Aufnahme vorgefunden, wieder zu erreichen.
Das gelingt vorwiegend, wenn während der Aufnahme so gewissenhaft wie nur möglich vorgegangen wird.

Schlusswort

Diese Tipps sollten als Vorstufen verstanden werden und denen Hilfe bieten, die noch keine Erfahrung mit Nachtaufnahmen gesammelt haben.

Ein tröstlicher Gedanke für alle: Keine Nacht dauert länger als eine Nacht.
Wie viele Aufnahmen gelingen, ist das Resultat der persönlichen Betrachtungsweise und der Umstände.

Ich wünsche allen, die es angehen, eine „Gute Nacht“.
Gut Licht und fette Foto-Beute

Spickzettel / Checkliste im Westentaschenformat:

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